• margitschmidinger

Da es für die Gesundheit sehr förderlich ist, habe ich beschlossen, glücklich zu sein.


Mit unserer Sehnsucht nach Glück wird viel Geld gemacht. Die ganze Vermarktungsindustrie hat uns längst durchschaut. Sie weiß genau, worauf viele abfahren. Wir leben in einer manipulativen Welt, es gibt immer jemand, der weiß, was wir brauchen, um glücklich zu sein. Warum möchten wir unbedingt glücklich sein? Steckt eine tiefe Ur-Sehnsucht nach dem Paradies in uns?


Sicht-Wechsel:

Ich möchte bei den Schöpfungsberichten der Bibel ansetzen. Der Mensch verlässt das Paradies (freiwillig?) und versucht mit der neu gewonnenen Freiheit umzugehen. Wir lesen vom Brudermord, von Neid und Eifersucht, vom Turmbau zu Babel, vom Größenwahn des Menschen, von der Sintflut, die beinahe alles Leben auslöscht. Die Geschichten sind tausende Jahre alt und aktueller denn je. Die Ich-Bezogenheit des Menschen bleibt bis heute. Der Mensch hat sich zum eigenen Maßstab gemacht, kreist um sich selbst und hat seine Ausrichtung verloren. Die Kirche hat diese Erlösungsbedürftigkeit des Menschen für sich genutzt und uns ein schlechtes Gewissen gemacht. Viele erkennen, dass dieser moralisierende Glaube wenig hilfreich ist auf der Suche nach dem Glück. Was hilft uns dann?

Eine amüsante Geschichte kann uns vielleicht eine Fährte legen: Ein weiser Yogi begegnete Gott und bemerkte, dass dieser besorgt und angespannt aussah und wollte ihm helfen. Gott sagte: "Du siehst sehr entspannt aus. Erzähle mir, wie ich mich von diesem Stress befreien kann. Diese Menschen beklagen sich dauernd, Tag und Nacht, kommen mit irgendwelchen Forderungen oder stellen mir eine Million Fragen!" "Weißt du, es gibt einen Ort, wo kein Mensch jemals hingeht. Sollte er es aber doch tun, so verschwinden all seine Klagen." Gott bat ihn, ihm diesen Ort zu zeigen. Der Yogi antwortete: "Der Ort ist im Herzen des Menschen. Begib dich in sein Herz. Der Mensch geht niemals dorthin, er geht überall in die Welt, selbst zur Venus und zum Mars, aber er tritt niemals dort ein. Nur selten gelangt ein Mensch in diesen Raum. Sobald er dort eintritt, verschwinden alle Beschwerden und alle Forderungen." Es heißt, diese Vorstellung habe Gott sehr gut gefallen. Von nun an begab er sich in die Herzen der Menschen.

Gott und Mensch, das sind nicht zwei voneinander getrennte Wesen. Es ist unsere Vorstellung, die uns trennt. Religion heißt „Rückbindung“ und genau darum geht es. Wir Menschen sind auf Gott hin ausgerichtet und in der Rückbindung an unsere göttliche Natur können wir dem Glück auf die Spur kommen. Dazu braucht es unsere Einwilligung, unser JA, unser tiefes Vertrauen, dass Gott es gut mit uns meint und unser Glück möchte. Wenn wir uns dieser Verbundenheit bewusst werden, uns darauf einlassen, dann kann auch die religiöse Gemeinschaft wieder ein Ort der Stärkung werden.


Übung: Finde eine Praxis, wie du dich jeden Tag auf Gott ausrichten kannst. Das kann ein formuliertes Gebet sein, eine Meditation oder auch nur eine bewusste Verneigung vor einem Kreuz oder einem christlichen Symbol mit den Worten: „JA, ich vertraue dir!“

Nachstehendes Gebet gehört zu meinem Morgenritual:


„Liebender Gott! Immerfort empfange ich mich aus Deiner Hand. Das ist meine Wahrheit und meine Freude. Immerfort blickt Dein Auge mich an

und ich lebe aus Deinem Blick, Du mein Schöpfer und mein Heil. Lehre mich in der Stille Deiner Gegenwart, das Geheimnis zu verstehen, dass ich bin. Und dass ich bin durch Dich und vor Dir und für dich.“ Romano Guardini