• margitschmidinger

"Mutter Erde" - ich hör dein Rufen - Teil 1 - Kraftquelle Pilgern

Updated: Jun 14


Es zieht uns hinaus. Wir haben uns gut eingerichtet in unseren Häusern und digitalen Welten, doch immer mehr Menschen spüren, wie sehr uns die Natur zur Kraftquelle und zum Ort der Regeneration und des Auftankens wird. Gott sei Dank!


Eine Form des "Hinaus Gehens" ist das Pilgern. Ich bin vor 15 Jahren meinen ersten Pilgerweg nach Mariazell gegangen. Damals alleine, mit schwerem Gepäck und einem rasanten Tempo - es war ein Spiegel meines damaligen Lebensstils. Ich wusste damals nicht genau, warum ich aufgebrochen bin. Heute weiß ich, es ist die Sehnsucht nach Heil-Sein, Ganz-Sein, Frei-Sein, die mich immer wieder gehen lässt. Viele Kilometer bin ich seither gegangen. Alleine, in Gruppen, mit meinem Mann, meiner Schwester. Ein paar Stunden oder viele Tage. Für´s Pilgern gibt es keine Vorgabe. So oder so muss es sein. Pilgern ist so, wie du es für dich entscheidest. Das ist bereits der erste Schritt und vielleicht auch der Wichtigste. Du entscheidest über den Weg den du gehst und du gibst dem Weg auch die Bedeutung, die für dich gerade wesentlich ist. Auch wenn du den Pilgerweg für andere gehst, im Letzten geht es immer um dein selbst und darum, dir ein Stück näher zu kommen - immerhin bist du der einzige Mensch für den du wirklich die ganze Verantwortung trägst. Darum hat es nichts mit Egoismus zu tun, wenn man herausfindet wer man ist und warum man hier ist. Ganz im Gegenteil, ich halte sie für die wichtigste Frage überhaupt.

Pilgern ist - egal wie lange du gehst - immer ein Aufbrechen, Unterwegs-Sein, Innehalten, Ankommen. Und irgendwann entdecken wir, dass unser ganzes Leben ein einziger Pilgerweg ist, wir brechen immer wieder aus dem Gewohnten und Vertrauten auf um ein Stück weiter wieder anzukommen. Bei mir, bei den Mitmenschen, bei Gott. Pilgern hilft uns loszulassen und unsere Vergänglichkeit in den Blick zu nehmen. Dabei wird uns die Natur zur besten Lehrmeisterin. Wir sind umgeben von Leben das keimt und wächst, blüht, Frucht bringt, verwelkt und stirbt. Das Leben ist ein Kreislauf in den wir hineingestellt sind. Im Gehen lernen wir uns einzufügen in die Gesetzmäßigkeiten von Mutter Erde. Wir wachsen zusammen und spüren das Leben in den Blumen, Sträuchern, Bäumen und Tieren. Plötzlich steht die Blume am Wegesrand für mich da und sagt: "Ich bin schön. Für dich!" Der Vogel, der sein Lied trällert singt für mich und ich vergesse die Schmerzen im Fuß. Die alte Frau wird mir zum Engel der mir den Weg weist und ich erfahre mich als Teil eines großen wunderbaren Schöpfungswerkes.

Als PilgerIn reduziere ich mich auf das Wesentliche. Je weniger ich brauche, desto mehr bekomme ich geschenkt. Dankbarkeit stellt sich ein und staunend entdecke ich, wie gut die einfache Lebensweise tut. Pilgern ist.... EINFACH GUT!


INNEHALTEN:

Wenn du dein Leben als Pilgerweg betrachtest, welche Etappe des Weges durchschreitest du gerade? Ist es eine Hügellandschaft, ein luftiger Gebirgszug, eine lange Straße oder eine wüste Ebene? Wie fühlt sich dein Gehrhythmus an? Gehst du gleichmäßig, hastig oder bist du überhaupt zu müde um einen Schritt zu tun?

Hast du ein Ziel vor Augen? Ein Ziel, das nicht nur äußeren Anforderungen entspricht, sondern deiner inneren Sehnsucht? Bist du am richtigen Weg oder suchst du nach einem Wegweiser? Ist es möglicherweise Zeit für einen neuen Aufbruch?