• margitschmidinger

Mutter Erde, ich hör dein Rufen - Teil 5, Kraftort "Feuer"

Updated: Jul 5

Feuer übt auf uns eine große Faszination aus. Gerät es außer Kontrolle versetzt es uns in Angst und Schrecken.

Die ständig mehr werdenden Waldbrände hinterlassen eine Spur der Verwüstung und es braucht Zeit, bis das frische Grün sich wieder durchsetzt. Hier erfahren wir: Die Kraft des Feuers ist stärker, als menschliches Handeln. Das irritiert uns, fällt es uns doch schwer, nicht vollständig Herr über das Feuer und andere Naturgewalten zu sein.


Dieses Feuer spüren wir auch in unserem Inneren. Unsere christliche Tradition hat dieses Feuer als Bild für die Hölle benutzt, d.h. immer wenn du brennendes Verlangen in dir spürst, dann hat das was mit Sünde zu tun und die gehört in die Hölle verbannt. Deshalb wurden die weisen Kräuterfrauen im Mittelalter als Hexen verbrannt, denn sie hatten den heilenden Zugang zur Kraft des Feuers gefunden. Interessanterweise gibt es starke Parallelen zwischen Sexualität und Religion. Beides kann in uns ein Feuer entfachen, beides kann uns verzehren und beides verlangt völlige Hingabe. Das Eine gegen das Andere auszuspielen war ein fataler Irrweg der katholischen Glaubenslehre. Denn wo immer wir versuchen das Feuer des Verlangens zu löschen, poppt es woanders wieder umso stärker auf. Deshalb funktioniert kaum eine Diät auf Dauer und deshalb kann auch ein zölibatärer Lebensstil nur dann Sinn machen, wenn ich mich ehrlich mit meinem Verlangen auseinandersetze. Nur verdrängen und auslöschen geht nicht. Das Feuer ist stärker.

So wie die Sexualität den Fortbestand der menschlichen Spezies sichert, so sichert das innere Feuer unsere Lebendigkeit, unsere Beweglichkeit und Wandlungsfähigkeit. Das Feuer setzt einen reinigenden Prozess in Gang, deren Entwicklung wir nur bedingt im Griff haben. Wir haben die Wahl:

- entweder wir versuchen ständig das Feuer klein zu halten aus Angst es könnte zu heiß werden

- oder wir nehmen das Feuer wahr und entdecken es als die lebendig machende, unkontrollierbare, wandelbare, reinigende Kraft in uns, die Neues hervorbringt.

Wer sein Feuer kennt, lernt es auch zu hüten und zu zähmen.


Bei den Naturvölkern erfüllte der "Hüter des Feuers" für seine Gemeinschaft einen wertvollen Dienst. Er wusste um die Gefahr des Feuers, hatte es im Blick und achtete darauf, dass es nicht erlischt. So wurde das Feuer zur Mitte der Gemeinschaft, um die man sich versammelte, an der man sich wärmte, nährte, feierte und sich der Vergänglichkeit und Wandlung des Lebens bewusst wurde. Vielleicht sollten wir wieder "Feuerhüter" ausbilden....