• margitschmidinger

"Bin aus dem Rahmen gefallen, hin gefallen, aufgestanden, weitergegangen!"


Als Erstkommunionkind fühlte ich mich Jesus ganz nahe. Ich habe aus vollem Herzen Loblieder gesungen und fühlte mich sehr verbunden mit ihm. Als ich dann meine erste Heilige Kommunion empfing spürte ich nichts, gar nichts. Ich war enttäuscht.

Heute, 50 Jahre später, merke ich, wie sehr mich diese und viele weitere enttäuschende Erfahrungen geprägt haben. Ich habe von klein auf Gott gesucht und immer wieder gemerkt, wie wenig die "heiligen" Worte und Gebete der Priester, wie wenig die "heiligen" Sakramente mein Leben berührten. Trotzdem es hat mich zur Kirche gezogen. Dort, so wurde mir gelehrt, dort finde ich Gott und wenn ich mich genug anstrenge, dann werde ich ihn spüren, wird er sich zeigen. Vielfach habe ich Göttliches wahrgenommen - in der Natur, in den vielfältigen Gemeinschaften, in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, ja manchmal auch in den Sakramenten. Doch vieles blieb inhaltsleer. Lange Jahre fühlte ich mich schuldig. Weil ich nicht gut genug bin, weil ich mich zu wenig bemühe, deshalb bleiben die tiefen Gotteserfahrungen aus - so war meine meist unbewusste Schlussfolgerung. Gute Lebensbegleiter halfen mir, mich von diesen falschen Bildern zu lösen und mich selbst anzunehmen. Je mehr ich mich selbst als geliebte Tochter Gottes wahrnahm, desto enger wurde der Rahmen der röm. kath. Kirche für mich. Der Ruf vor mehr als drei Jahren war eindeutig: Steh auf und geh! Talitakum!

Rückschauend merke ich, ich bin aus dem Rahmen gefallen, er wurde mir zu eng. Doch das Neue schien auch nicht einfach, immer wieder bin ich hingefallen, aber auch aufgestanden und weitergegangen. Es war wie ein Kreuzweg. Viele alte Bilder, Glaubenssätze und Dogmen zerbrachen. Wie es weitergehen sollte, ich hatte dafür kaum Ideen.

Heute bin ich sicher, ich hatte früh schon die Berufung zur Priesterin gespürt (vielleicht schon bei meiner Erstkommunion). Viel Lebenskraft ist in diesen "Kampf" geflossen um den Segen der "Heiligen Männer" zu bekommen.

Jetzt bin ich erwachsen geworden und brauche den Segen von außen nicht mehr. Die Ermächtigung zu meinem Dienst kommt aus dem Inneren, aus meinem zugesprochenem göttlichen Selbst. Der Segen Gottes ist zugleich mein Auftrag. Der Welt und den Menschen zu dienen, sie in Verbindung mit dem Lebendigen zu bringen. Dazu brauche ich keinen Altar, kein Priesterkleid und auch kein bischöfliches Weihedekret.

Die Liebe Gottes in mir reicht.